Badenliga Frauen: TV Brühl – SG Nußloch 28:24 (13:14)

Wer ein hervorragendes Spiel und die stehenden Ovationen der Brühler Handballanhänger gesehen hat, der wußte, was, und vor allem wem, die Stunde geschlagen hat. Die TVB-Damen, seit Wochen schon in bestechender Form, legten eine oder gleich mehrere Schippen drauf und gewannen gegen das Ausnahmeteam der Liga, die SG Nußloch, verdient mit 28:24. Trainer Franz-Josef Höly hatte vor der Begegnung noch gemutmaßt, daß seine Mädels den Gegner nur mit einer Topleistung ärgern könnten. Das entsprach zwar dem zu Erwartendem, aber wie sich im Spielverlauf zeigte, war das dennoch übertrieben.

Personell hatte Brühl alles an Bord, was einsatzfähig war, die Dauerverletzten Maike Röschel, Joceline Tomann und Lisa Naber, ausgenommen. Aber die auf der Platte standen begannen wie die sprichwörtliche Feuerwehr. Kerstin Siebenlist und gleich dreimal die wiederum überragende Maike Renkert legten ein beeindruckendes 4:0 vor. Die nicht sattelfeste Nußlocher Abwehr bekam auch im weiteren Verlauf die schnellen und quirligen Brühler Spitzen nie so richtig in den Griff. Nußloch nahm anscheinend so früh wie noch nie die erste Auszeit. Erste Umstellungen bei den Gästen waren die Folge und da die Gastgeberinnen gleich mehrere technische Fehler produzierten kamen die gewohnt spielstarken Gäste wie aus dem Nichts auf 3:4 heran. Das Höllentempo auf beiden Seiten hielt unvermittelt an und Nußloch bekam dadurch gefühlt Oberwasser. Aber das Glanzstück an diesem Abend war die Brühler 5:1 Deckung, die die schnellen Angriffe immer wieder unterband. Mit unglaublich viel Laufbereitschaft, rechtzeitigem Herausrücken und Übergeben machten sie dem SG-Angriff das Leben ungewohnt schwer. Natürlich war der aus Spielern individueller Klasse bestückt, aber die Leichtigkeit ging durch den vorbildlichen Einsatz des TVB weitgehend verloren. So erzielte beispielsweise Dauertorschützin Tara Beckenbach nicht einen einzigen Treffer aus dem Spiel heraus, das übrigens wohltuend fair ablief. Beim 5:5 erzielten die Gäste den erstmaligen Ausgleich, aber Brühl hatte stets die passenden antworten, obwohl den Gastgeberinnen im Spielaufbau zu viele Fehler unterliefen, die Nußloch gekonnt ausnutzte. Beide Mannschaften marschierten im Gleichschritt weiter, kein Team setzte sich zunächst ab (7:7 und 10:10). Dann erzielte die SG durch schnelle Gegenstöße drei Treffer in Folge. Derart im Hintertreffen geriet Brühl aber nicht in spielerische Not, nur manchmal wäre etwas mehr Ruhe in den Aktionen die bessere Alternative gewesen. Zur Pause hatten sie auf 13:14 verkürzt.

Würden die Kraft und die Konzentration der Gastgeberinnen für die zweite Halbzeit ausreichen? Wenn nicht, Nußloch hätte die Mittel, um dies kompromißlos auszunutzen. Aber nicht die Gäste, sondern Brühl kam entschlossen aus der Kabine und holte spielerisch beeindruckend nicht nur den Rückstand auf, sondern ging beim 18:17 wieder in Führung. Nußloch zeigte sich noch unbeeindruckt, aber ihre erfolgsverwöhnte Offensive war nicht mehr in der Lage, die TVB-Abwehr so in Verlegenheit zu bringen, um die Partie wunschgemäß fortzuführen. Die Vorentscheidung fiel nach 43 Minuten. Da gelangen, den mittlerweile entfesselt aufspielenden Brühlerinnen, drei Tore in Folge, jeweils nach tollen Kombinationen. Jetzt war Nußloch angekratzt und nervös, erste technische Fehler traten auf und Notwürfe bei angezeigtem Zeitspiel waren die Folge. Sie gaben zwar nicht auf, wußten aber, daß sie verloren hatten. Brühl ließ nichts mehr anbrennen und hielt sie SG weiter auf Distanz. Ein weiterer Grund für die Dominanz war auch die Ruhe, mit der die Gastgeberinnen zu Werke gingen, Tore erzielten sie trotzdem und auch das mehrmalige Wechseln der SG-Keeperinnen nutzte nichts. Brühl das mannschaftlich geschlossen und mit toller Moral auftrat, hatte am Ende mit 28:24 verdient gewonnen. Sandra Lauerwald im TV-Kasten hielt nahezu fehlerlos und entschärfte etliche Großchancen. Aber nicht nur sie, sondern der gesamte Mannschaft gehört ein Sonderlob für die gezeigten Leistungen, einschließlich einer großen Portion Leidenschaft. Vielleicht machte das den Unterschied.

Franz-Josef Höly war nach der Partie rundum glücklich mit dem Spiel seiner Mädels: „das Tolle ist, wir haben verdient gewonnen. Meine Mannschaft ist bis an ihre Grenzen gegangen, das alleine verdient schon allergrößten Respekt. Mit unserem Einsatz- und Siegeswillen haben wir Nußloch den Schneid abgekauft.“

TV Brühl: Lauerwald, Zimmermann; Li. Bühn (2), Röllinghoff (2), Gross (3), Siebenlist (5/2), Henn (2), Pristl (1), Renkert (9), P. Lederer (4/1), D. Göbel, S. Schneider, Le. Bühn.

ako