Es war kein schönes, aber ein bis zum Ende nicht an Spannung zu überbietendes Derby der Badenliga-Handballerinnen des TV Brühl, die als Gastgeber die HG Oftersheim/Schwetzingen am Sonntagnachmittag in heimischer Schillerhalle empfingen. Und die Punkteteilung beim 25:25 (12:13)-Unentschieden ist über den gesamten Spielverlauf gesehen sicher ein gerechtes Ergebnis, da auch jede Mannschaft genau über die Hälfte der Zeit die Nase vorn hatte. Der HG gehörten die ersten 20 Minuten der ersten Halbzeit, das Schlussdrittel den Brühlerinnen und in der zweiten Spielhälfte genau umgekehrt. „Das ist ein gerechtes Ergebnis und ich freue mich über den gewonnen Punkt“, zieht auch Saskia Zachert, mit elf Toren erfolgreichste HG-Akteurin ihr Fazit zum Derby.

Und ihr gehörten die ersten zwanzig Minuten über 2:4, 5:8 bis zur Vier-Tore-Führung zum 8:12, in denen sie etliche ihrer sehenswerten Rückraumtreffer im Brühler Kasten versenkte, bis ihr TVB-Trainerin Kerstin Siebenlist eine Sonderbewachung durch Sophia Schneider verordnete. Die nervös wirkenden Gastgeberinnen hatten Abstimmungsprobleme in der Abwehr, oft fehlte der letzte Schritt heraus oder war zu langsam und es war dabei auch Torfrau Ann-Kathrin Göbel unmöglich, da noch die Hand an den Ball zu bekommen.

Ab der 22. Minute wendete sich das Blatt. „Dann ist bei uns der Faden gerissen, ich hatte zu viele Ausfälle, konnte nicht wechseln und der quirlige Rückraum mit Maike Röschel, Maike Renkert und Joceline Tomann machte uns das Leben schwer“, erklärte HG-Trainer Franz-Josef Höly den plötzlichen Umschwung im Spiel. Weder die Herausnahme der Torfrau zugunsten der sechsten Feldspielerin im Angriff in Unterzahl noch die Umstellung von 3:2:1 auf eine 6:0-Abwehrformation verhinderte die Wende. Die Gäste fanden kein Rezept mehr, die schnellen Brühlerinnen außer durch Fouls zu stoppen. Dies hatte bis zur 29. Minute zur Folge, dass durch drei ihrer zehn verwandelten Siebenmeter, der letzte als Abpraller vom Pfosten, der besten TV-Schützin Maike Röschel (14) plötzlich ein vom Heimpublikum frenetisch bejubelter 12:12-Ausgleich auf der Anzeigetafel erschien.

Ab dem Anpfiff nach der Halbzeitpause beim Stand von 12:13 zeigte sich das genaue Spiegelbild der ersten Spielhälfte. Brühl glich nicht nur aus, sondern agierte konzentriert im Angriff, nahm im Gegensatz zur HG einige Konterchancen erfolgreich wahr und sah sich über 17:16 und 20:17 plötzlich beim 22:18 in der 46. Minute vielleicht schon auf der Gewinnerspur.

„Wir sind da und auch im ganzen Spiel keinen einzigen Konter gelaufen, dann ist noch Lena Förste verletzt ausgefallen. Aber obwohl Außenspielerin Laura Hartmann im linken Rückraum einen tollen Job gemacht hat, haben uns in dieser Phase die Wechselmöglichkeiten gefehlt, um erfolgreich zu sein“, erklärt Höly den Rückstand der HG und das Oberwasser der Gastgeberinnen.

„Vielleicht dachten wir, wir hätten das Spiel schon gekippt. Doch dann haben wir zu viele technische Fehler gemacht, hatten kein Wurfglück und konnten das an diesem Tag auch mit unserer durchweg schlechten Abwehrleistung nicht kompensieren. Zumindest hat Ann-Kathrin Göbel im Tor in dieser Phase eine ganz starke Leistung gezeigt und uns gerettet“, hadert die Brühler Spielerin Maike Röschel mit dem verlorenen Punkt und fasst so die letzten zehn Minuten zusammen. In der dramatischen Endphase glich nach dem Anschlusstreffer von Lara Wolf Saskia Zachert mit einem Strafwurf für die HG zum 24:24 aus (54.). Nach erneuter Brühler Führung, ebenfalls durch einen Siebenmeter durch Maike Röschel direkt im Anschluss, gab es bis auf den Ausgleich zum Endstand von 25:25 durch Annabel Bosse eineinhalb Minuten vor Schluss keine erfolgreichen Angriffe auf beiden Seiten mehr.

„Wir haben in keiner Phase das gespielt, was wir im Training abgestimmt und im letzten Testspiel – vor allem in der Abwehr – auch gezeigt haben. Für mich fühlt es sich an wie ein verlorener Punkt, weil wir bis zehn Minuten vor Ende noch deutlich geführt haben und dann keiner mehr Verantwortung übernehmen wollte, um mit letzter Konsequenz beide Punkte zu holen. Wären die Halzeiten vertauscht gewesen, wären wir – wie die HG vermutlich jetzt – auch zufriedener mit dem Unentschieden“, fasst TV-Trainerin Kerstin Siebenlist zusammen und ist wie ihr Gegenüber Franz-Josef Höly nicht ganz glücklich mit der Leistung ihrer Mannschaft, aber über fehlende Dramatik und Spannung konnte sich wohl keiner der zahlreichen Zuschauer beschweren.

 

TVB: Göbel, Zimmermann, Bühn, Gross (1), Henn (2), Pristl, Renkert (1),  Naber (2), Kemptner, Tomann (1), Röschel (14/9), Schneider (1), Edelmann (3)

 

HG: Becker, Heitmann, Förste (3), Hartmann (3), Magnus (3), Siegel, Marianidou, Barthelmeß, Von Beeren, Bosse (2/1), Zachert (11/6), Wolf (1), Aiello, Carmona (2)

 

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